Durch das tiefe Eintauchen in die Arbeit und die vielschichtige Auseinandersetzung mit der Darstellung meiner eigenen Wahrnehmung, ist eine Serie von drei Öl-Portraits entstanden. Diese Serie spiegelt sowohl meinen Arbeitsprozess als auch die Ziele wider, die ich während der Entstehung verfolgt habe. Mein Anliegen war es, drei natürliche Momente, drei unterschiedliche Formen von Präsenz, in einem zusammenhängenden Werk zu vereinen. Dabei spielte die Auseinandersetzung mit meinem jeweiligen Gegenüber eine zentrale Rolle. Es war mir wichtig, diese Beziehung und Spannung in den Gemälden sichtbar zu machen.
Während des gesamten Prozesses begleitete mich die Leitfrage: «Worin liegt die Herausforderung beim Porträtieren von Menschen, am Beispiel meiner Geschwister?» Rückblickend hat sich diese Frage im Verlauf meiner Arbeit zunehmend differenziert. Sie führte zu weiteren Fragestellungen und machte mir bewusst, dass Malerei kein linearer Prozess ist. Ein Gemälde befindet sich im ständigen Wandel, und auch deine Wahrnehmung davon kann sich immer wieder ändern. Deshalb gibt es nicht die eine Herausforderung, welche ich benennen kann, sondern viele neue Fragen und Unsicherheiten, die sich im Arbeitsprozess ergeben.
Besonders bewusst wurde mir, und dies habe ich teilweise unterschätzt, das Treffen von Entscheidungen. Warum mache ich dies so oder so? Weshalb wähle ich diese Farbe? Warum gefällt mir das Gemälde? Warum gefällt es mir nicht? Ich habe daraus die Erkenntnis gezogen, dass das Malen von Portraits nicht nur eine technische Ausführung ist, sondern ein ständiges Fragen, Hinterfragen, Begründen und Entscheiden. Für mich war es genauso eine Auseinandersetzung mit meinem Inneren, wie mit meinen Geschwistern als Gegenüber.
Eine der anspruchsvollsten Entscheidungen war die Frage, wann ein Bild abgeschlossen und fertig ist. Ich kam zum Schluss, dass der Moment des Aufhörens nicht bedeutet, dass ein Bild «fertig» im klassischen Sinne ist, sondern dass ein Zustand erreicht wird, in dem Spannung, Präsenz und Wahrnehmung im Gleichgewicht stehen. Diese Entscheidung forderte Vertrauen in meinen eigenen Blick, in den Prozess und in das Gemälde selbst.